Ballin-Kohlbecker-Schreibtisch Massiver Mahagoni-Schreibtisch mit ausgefallener Mechanik Baujahr um 1915, Breite ca. 255 cm
Detailbeschreibung:

Fertigung und Geschichte

Gefertigt wurde dieses edle Stück in den Möbelfabriken B. Kohlbecker (München) und M. Ballin (München). Beide Häuser arbeiteten nachgewiesener Maßen für die führenden Jugenstil-Künstler/-Architekten des Münchner Jugendstils. M. Ballin war unter anderem Hoflieferant beim königlich bayerischen Hof, für den rumänischen Königshof, Generalaustatter für die Hamburg-Amerika-Linie des Hapag-Lloyd (Inneneinrichtung der Schnelldampfer) und Innendekorateur/ Möbellieferant führender Hotels in ganz Europa, u.a. Hotel Adlon in Berlin.
Desweiteren haben Sie Botschaften, Verwaltungsgebäude großer Firmen und Büroausstattungen hergestellt.
Die Fa. Moritz Ballin schaffte es in Ihrer kurzen Firmengeschichte, Möbel allererster Qualität auszuführen und Entwürfe namhafter Architekten und Designer umzusetzen. Fortschrittlichstes Design und und handwerklicher Anspruch der Vereinigten Münchener Werkstätten (später deutscher Werkbund) wurden folgerichtig auf Weltausstellungen präsentiert.
Dies trifft ebenso auf die meisterlichen Möbel der Fa. B. Kohlbecker, ebenfalls aus München, zu. Hier ließ u.a. Richard Riemerschmid eigene Entwürfe für sein Wohnhaus in München, die Villa Riemerschmidt, fertigen. Auch Exponate der Fa. Kohlbecker schafften den Weg zur Weltausstellung. Der neue Funktionalismus zeichnet sich durch reine Formensprache unter Verzicht jeglicher Schnörkeleien aus.


Produktbeschreibung

Dieser Schreibtisch brilliert durch seine geschwunge Form. Alle Ecken wurden durch Rundungen ersetzt, Proportion und Schwung in ein perfektes Gleichgewicht gebracht. Die raffinierte Mechanik lässt zwei schwere Seitenteile spielend leicht zur Seite aufklappen, wo sonst bei normalen Schreibtischen nur Türen oder Schubladen den Sockel zur Platte bilden. Auf der Linken Seite finden wir ein achtschübiges *Sekretär-Teil*, auf der rechten Seite ein herausklappbares Register mit acht Fächern.
In der Schreibtischplatte gibt es drei abschließbare abgerundete Schubladen, die der Form der Platte folgen. Hier finden sich die zwei gemarkten Schlösser. Auf der Rückseite dieses frei im Raum aufstellbaren *Diplomatenschreibtisches* befinden sich drei kassettierte Türen. Hinter der linken gibt es drei kleine Schübe, hinter der mittleren und rechten Tür finden wir Stauraum, der durch Einlegebretter variabel geteilt werden kann.
In der Rückseite der Schreibtischplatte sind drei gerade Schubladen so untergebracht,  das sie nicht sofort erkennbar sind.Aufgrund seiner Größe und seiner soliden Bauweise hat dieser Schreibtisch ein sehr hohes Eigengewicht. Er ist aber komplett zerlegbar (ca. 23 Einzelteile), so dass Transport und Umzug kein Problem sind.
Alle Schlösser sind funktionsfähig, der Schlüsselsatz wurde ergänzt. Zu jedem Schloss existiert ein passender Schlüssel, insgesamt 8 Stück. Bei Schlössern und Beschlägen handelt es sich ebenfalls um Entwurfsarbeiten. Die Schlösser sind dreiteilige Patent-Schlösser, die am Möbel verschraubt und montiert werden müssen.
Für damalige Verhältnisse muss dieser formvollendete Entwurf eine kleine Revolution und Sensation zu althergebrachten Schreibtischformen gewesen sein. Seine zeitlose Eleganz lässt ihn selbst heute als topmodern erscheinen. Leider konnte wir bisher keinen Namen dem Entwurf zuordnen, mit großer Sicherheit wird er dem Umfeld der Münchner Sezession um Niemeyer oder Riemerschmidt zuzuordnen sein.

Material:

Der Schreibtisch ist massiv aus Mahagoni gefertigt. Die Griffe und Beschläge sind aus Messing gegossen. Die Tischplatte zeittypisch aus rotem linoleumartigen Material gegossen. Sie weist alterstypische Benutzungsmerkmale und Flecken auf, die von einem fast hundertjährigen Leben Zeugnis ablegen. Ansonsten befindet sich der Schreibtisch in einem außergewöhnlich guten Zustand mit minimalsten Gebrauchspuren. Die Patentmechanik zum Drehen der Sockelteile funktioniert einwandfrei und kinderleicht.

Es befinden sich unserem Repertoire wunderschöne Stücke von sehr berühmten Möbeltischlereien wie Julius Groschkus (Berlin), Moritz Ballin (München), Bernhard Ludwig (Wien), Kohlbecker&Sohn (München) und anderen Manufakturen.